Meine Nacht im Gefängnis // My night in prison

++DE

Gestern habe ich die Nacht im Gefängnis verbracht. Zumindest in einem ehemaligen. Im wunderschönen Wismar haben mich die Organisatoren meines gestrigen Hauskonzertes im neu eröffneten Hotel „Kittchen“ untergebracht. Das Gartenkonzert selbst war ein wunderbarer lauschiger Abend bei Sonnenuntergang, Leuchtketten und tollen Menschen. Und obwohl ich den Gedanken, danach an einem ungewöhnlichen Ort zu übernachten, spannend fand, war es doch ziemlich beklemmend, die betonsteinernen Gänge entlang zu gehen, durch Flure mit original belassenen Zellentüren.

 

Man mag es wenden, wie man will. Gefängnisse sind Orte, in denen Menschen landen, die durch tiefste Traumatisierung die Grenzen zur Illegalität überschritten haben. Keine Renovierung, Restaurierung oder ironische Umfunktionierung kann das übertünchen. Die zutiefst unmenschliche Funktionalität dieser Verwahrungeinrichtung bleibt allgegenwärtig. Und ich habe mich gefragt, kann man einen solchen Ort wirklich zu einem touristischen Aufenthaltsort umfunktionieren? Sollte man das?

Ich habe nicht zum ersten Mal in einer ungewöhnlichen Unterbringung übernachtet. In Krakau war mein Hostel im ehemaligen Gestapo Hauptquartier untergebracht. Auf dem Camino de Santiago bot ein Refugio den Pilgern Unterkunft in den ehemaligen Mönchzellen. Letzterer übrigens einer der erholsamsten Schlaforte, die ich je erleben durfte.

Die Nacht im Gefängnis bleibt für mich keine spannende Erinnerung, sondern eine befremdliche.

Was ist der ungewöhnlichste Ort, an dem du jemals übernachtet hast?

Tobias


++EN

Yesterday I spent the night in prison. At least in a former one. The organizers of my house concert yesterday accommodated me in the newly opened “Kittchen” ("Jailhouse") hotel in beautiful Wismar. The garden concert itself was a wonderful, cozy evening with sunset, light bulb chains and great people. And although I found the idea of ​​spending the night in an unusual place exciting, it was still quite oppressive to walk along the concrete hallways, and through corridors with original cell doors.

You can turn it however you want. Prisons are places where people end up who, through deep trauma, have crossed the borders of illegality. No amount of renovation, restoration or ironic repurposing can cover that up. The deeply inhumane functionality of this detention facility remains pervasive. And I asked myself, can such a place really be converted into a tourist destination? Should it be?

This wasn't the first time I've stayed overnight in unusual accommodation. In Krakow my hostel was housed in the former Gestapo headquarters. On the Camino de Santiago, a refugio offered pilgrims accommodation in the former monks' cells. The latter, by the way, is one of the most relaxing places to sleep that I have ever experienced.

The night in prison remains for me not an exciting memory, but rather an unsettling one.

What's the most unusual place you've ever stayed?

Tobias

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